Do 22.4. / 20 Uhr / naTo
Eintritt: 7,-/ 6,- €

CÉLINE ET JULIE VONT EN BATEAU
Alternativtitel: Céline et Julie vont en bateau – Phantom Ladies Over Paris
deutscher Titel: Céline und Julie fahren Boot

Frankreich 1974

Regie: Jacques Rivette
Drehbuch: Juliet Berto, Eduardo de Gregorio (Dialoge), Dominique Labourier, Bulle Ogier, Marie-France Pisier, Jacques Rivette
Kamera: Jacques Renard
Schnitt: Nicole Lubtchansky
Musik: Jean-Marie Senia
Darsteller: Juliet Berto (Céline), Dominique Labourier (Julie), Nathalie Asnar, Monique Clément, Marie-France Pisier, Jérôme Richard, Barbet Schroeder, Anne Zamire
Produktion: Action Films, Films Christian Fechner, Les Films du Losange, Renn Productions
Premiere: September 1974 (Frankreich)
Farbe
Französisch (deutsche Untertitel)
Laufzeit: 193 min

"Eine schüchterne Buchhändlerin und eine Nachtklub-Zauberkünstlerin lernen sich auf den Spuren von "Alice im Wunderland" kennen. Mittels magischer, leicht psychedelischer Bonbons werden sie in die geheimnisvollen Vorgänge rund um eine viktorianische Villa verwickelt, wo sich vor ihren Augen bruchstückhaft (und chronologisch nicht unbedingt korrekt) ein Melodrama entfaltet. Schließlich greifen sie erfolgreich in dessen Handlung ein: ein schönes Bild für die Anforderungen des Rivette'schen Kinos, das vom Zuseher erwartet, die wuchernden Bestandteile – realistische Inszenierung, reflexiver Umgang mit der Erzählung, liebevolle Zitate und phantastische Elemente – zu einem kompakten wie komplexen Ganzen zu fügen. In dieser heiteren feministischen Komödie ist es, als würde sich das Kino für die Welt öffnen: ein unwiderstehlich charmantes Traum-Spiel." (1) Ekkehard Knörer schrieb: „Die Logiken von Rivettes Filmen sind, wie die des Traums, strikt intern, parasitär natürlich an Zeichen und Erwartungen der Realität, aber nur weil es anders nicht geht. Eigentlich wird die Wirklichkeit neu erfunden, von Moment zu Moment, aus dem Konkretesten der Bilder von Paris, der Improvisation der Darstellerinnen.
Es liegt nahe, das mysteriöse Haus, das beide immer wieder aufsuchen, als Kino zu deuten. Allein, es gibt keine Allegorien in Rivettes Filmen. Kann sie nicht geben, da Allegorie immer bedeutet: das Durchsichtigwerden des Stofflichen auf das Gemeinte, das Aufgehen der Bestandteile der Bedeutung im Übertragenen. Rivette dagegen ist verliebt in den Eigensinn des Stofflichen, des Bildes, das zeigt, was es zeigt, an dem alles zum Anlass für unvorhergesehene Abzweigungen von der vielleicht angesteuerten Bedeutung werden kann. Zu der es dann kein Zurück mehr gibt.“ (2)
Dass das, was man im Film gemeinhin unter Wirklichkeit versteht, im Grunde gar nicht existiert, dafür stehen auch die Figuren Céline und Julie, die hier einen Wirbel auslösen, indem sich Reales und Fiktives ununterscheidbar vermischen. „Alles ist Fiktion“, sagte einst Jacques Rivette. „Denn in dem Augenblick, in dem etwas gefilmt wird, wird es schon zur Fiktion."

1 Quelle: Filmmuseum Austria
2 Ekkehard Knörer (jump-cut.de)